Warum menschlich wirken? Theorie hinter dem Design von Sprachassistentenitrag

Sertay Sakizoglu
Jan 27, 2025Von Sertay Sakizoglu

Warum sollten Sprachassistenten menschlich wirken? Ist es notwendig, dass sie wie Menschen klingen oder sich wie Menschen verhalten, oder genügt es, wenn sie einfach funktional sind? Diese Fragen beschäftigen Designer und Entwickler von Sprachassistenten seit Beginn dieser Technologien.

Die Forschung zeigt, dass Menschen Technologie oft auf ähnlicher Weise wie andere Menschen wahrnehmen. Dieses Phänomen hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Gestaltung von Sprachassistenten und die Art und Weise, wie sie mit uns interagieren. In diesem Artikel beleuchten wir die zugrunde liegenden Prinzipien des Designs und untersuchen, warum der Versuch, eine menschliche Interaktion nachzuahmen, oft zu einer besseren Benutzererfahrung führt.

Menschliche Eigenschaften in der Technologie


Computers as Social Actors (CASA): Technologie als sozialer Akteur                         

Seit den 1990er-Jahren hat sich das Konzept "Computers as Social Actors" (CASA) als ein zentraler Ansatz in der Mensch-Computer-Interaktion etabliert. Diese Theorie besagt, dass Menschen Technologie automatisch wie soziale Wesen behandeln. Das bedeutet, dass wir nicht nur die Maschine hinter der Technologie sehen, sondern ihr Persönlichkeit, Absichten und Emotionen zuschreiben.

Warum passiert das?

•          Unser Gehirn ist darauf programmiert, soziale Signale zu erkennen und darauf zu reagieren. Diese Mechanismen greifen auch, wenn wir mit Sprachassistenten interagieren, selbst wenn wir wissen, dass es sich um eine Maschine handelt.

•          Studien zeigen, dass Nutzer Sprachassistenten höflich behandeln, sie als "hilfreich" oder "freundlich" bewerten und sogar emotionale Bindungen zu ihnen entwickeln.

CASA in der Praxis

Ein bekanntes Beispiel ist Amazons Alexa. Nutzer sprechen oft höflich mit dem Assistenten, bedanken sich und entschuldigen sich sogar, wenn sie Befehle widerrufen. Diese Reaktionen treten auf, obwohl Nutzer wissen, dass Alexa keine echten Gefühle hat.

Psychologische Grundlage: Systematische vs. heuristische Urteile                       

CASA beruht auf dem Unterschied zwischen systematischen und heuristischen Urteilen:

•          Systematische Urteile: Tiefergehende, analytische Bewertungen, die mehr kognitive Ressourcen erfordern.

•          Heuristische Urteile: Einfache, automatische Urteile, die auf kognitiven Abkürzungen basieren, wie zum Beispiel "Eine schnelle Antwort ist hilfreicher."Menschen tendieren dazu, heuristische Urteile zu fällen, besonders in alltäglichen Interaktionen. Dies erklärt, warum wir oft positive Gefühle gegenüber Sprachassistenten entwickeln, die freundlich und hilfsbereit erscheinen.

•          Smiley in Chatbots: Einfache visuelle Elemente wie ein lachendes Gesicht steigern die Wahrnehmung von Freundlichkeit und Kompetenz.

•          Google Assistant: Durch gezielte Pausen und Intonation wirkt der Assistent natürlicher und angenehmer, was die Nutzerbindung erhöht.


Die CASA-Theorie zeigt eindrucksvoll, wie tief verankert unser Wunsch nach sozialer Interaktion ist – selbst in der Kommunikation mit Maschinen. Diese Erkenntnisse legen den Grundstein für die weiteren Aspekte, die das Design von Sprachassistenten beeinflussen.

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Heuristiken und ihre Rolle in der Nutzererfahrung

Heuristiken sind mentale Abkürzungen, die Menschen nutzen, um schnelle Entscheidungen zu treffen, ohne tief in die Analyse von Informationen einzutauchen. In der Gestaltung von Sprachassistenten spielen diese kognitiven Regeln eine entscheidende Rolle, da sie beeinflussen, wie Nutzer die Interaktion wahrnehmen und bewerten.

Beispiele für gängige Heuristiken

1. Längen-Heuristik: Längere Nachrichten werden als informativer und glaubwürdiger wahrgenommen.

  • Bei Sprachassistenten wie Siri können detaillierte Antworten – z. B. bei der Wegbeschreibung – das Vertrauen der Nutzer stärken.

2. Promptheits-Heuristik: Schnellere Antworten werden als hilfreicher empfunden.

  •  Die schnelle Reaktionszeit von Google Assistant sorgt dafür, dass Nutzer den Service als effizient wahrnehmen.

3. Bandwagon-Heuristik: Wenn viele andere Menschen eine Technologie nutzen, wird sie als zuverlässiger und vertrauenswürdiger wahrgenommen.

  • Bewertungen in App-Stores zeigen, wie populäre Sprachassistenten das Vertrauen neuer Nutzer gewinnen.

4. Soziale Präsenz-Heuristik: Menschlich wirkende Stimmen und Reaktionen steigern das Gefühl, mit einer realen Person zu interagieren.

  • Alexa’s natürliche Sprachmelodie verstärkt das Gefühl einer persönlichen Interaktion.


Das MAIN-Modell

Das MAIN-Modell unterteilt die heuristischen Hinweise in vier Kategorien:

•     Modality (Modalität): Medienform und Medium beeinflussen die Wahrnehmung.

•     Agency (Autorschaft): Der Eindruck, dass die Nachricht von einem bewussten Akteur stammt.

•     Interactivity (Interaktivität): Die Möglichkeit, aktiv Einfluss auf die Interaktion zu nehmen.

•     Navigability (Navigierbarkeit): Wie klar und einfach Informationen zugänglich sind.

Konflikte und Kompromisse im Konversationsdesigns

Das Design von Sprachassistenten erfordert oft Entscheidungen zwischen scheinbar widersprüchlichen Ansätzen. Ein zentrales Beispiel ist die Wahl zwischen einer menschlichen oder einer mechanischen Stimme. Beide Optionen können positive Heuristiken auslösen, jedoch in unterschiedlicher Weise.

Menschliche vs. mechanische Stimmen

•    Mechanische Stimmen: Sie lösen die Maschinen-Heuristik aus, die Objektivität und Zuverlässigkeit vermittelt.

Beispiel: Finanzanwendungen wie Robo-Advisors setzen oft auf mechanische Stimmen, um Neutralität zu signalisieren.

•    Menschliche Stimmen: Sie schaffen soziale Präsenz und fördern das Gefühl einer persönlichen Verbindung.

Beispiel: Kundendienst-Chatbots verwenden oft natürliche Stimmen, die ihnen das Gefühl geben, individuell betreut zu werden.

Balance finden

Ein gelungenes Konversationsdesign berücksichtigt die Zielgruppe und den Kontext der Interaktion:

  • Anwendungsfall: In medizinischen Anwendungen könnte eine mechanische Stimme besser geeignet sein, um Objektivität zu signalisieren
  • Nutzerbedürfnisse: Kunden im Einzelhandel bevorzugen oft menschliche Stimmen, die ihnen das Gefühl geben, individuell betreut zu werden.
  • Authentizität: Eine zu "menschliche" Stimme, die nicht authentisch klingt, kann Nutzer abschrecken.
  • Kulturelle Unterschiede: Wahrnehmungen von Menschlichkeit in Technologie variieren stark je nach kulturellem Hintergrund.

Durch das Abwägen dieser Konflikte können Designer Sprachassistenten entwickeln, die sowohl effektiv als auch angenehm für die Nutzer sind.

selected pictureDer Nutzen von Anthropomorphismus

Anthropomorphismus – also die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften an Objekte oder Maschinen – spielt eine zentrale Rolle im Design von Sprachassistenten. Studien zeigen, dass Nutzer Systeme, die sie als "menschlich" empfinden, als vertrauenswürdiger, nützlicher und angenehmer bewerten.

Positive Effekte

1. Vertrauen und Akzeptanz: Menschlich wirkende Assistenten erzeugen ein Gefühl der Vertrautheit. Nutzer sind eher bereit, ihnen sensible Informationen anzuvertrauen.

  • Die natürliche Intonation von Apple’s Siri trägt dazu bei, dass Nutzer sich wohler fühlen, komplexe Fragen zu stellen.

2. Erhöhte Nutzungsbereitschaft: Anthropomorphe Eigenschaften machen Technologien intuitiver und senken die Hemmschwelle zur Nutzung.

  • Studien zeigen, dass Nutzer Chatbots mit personalisierten Avataren länger verwenden.

Herausforderungen

  • Übermäßige Erwartungen: Menschlich wirkende Systeme können Erwartungen wecken, die die Technologie nicht erfüllen kann.
  • Uncanny Valley-Effekt: Wenn ein System zu menschlich wirkt, aber nicht perfekt ist, könnte es als unangenehm empfunden werden.

Anwendung der Theorie im Design von Sprachassistenten

Prinzipien für kundenorientierte Designs

1. Offene Interaktionen: Gespräche beginnen mit allgemeinen Fragen wie "Wie            kann ich Ihnen helfen?" Dies vermittelt Flexibilität und signalisiert, dass der                Nutzer die Kontrolle über die Interaktion hat.

• Sona AI setzt bewusst auf offene Fragen, um eine breitere Palette von Anliegen abzudecken.


2. Natürliche Intonation und Sprache: Sprachassistenten, die mit dynamischer Intonation sprechen, wirken vertrauenswürdiger.

• Google Assistant verwendet gezielte Pausen, um Gespräche flüssiger zu gestalten.


3. Einfache Übergänge zu menschlichen Mitarbeitern: Wenn ein Anliegen nicht gelöst werden kann, sollte der Wechsel zu einem Mitarbeiter nahtlos erfolgen.

• Amazon’s Alexa überträgt Gespräche direkt an den Kundendienst, wenn nötig.

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